02.02.2014
"Ich würde vermutlich Robbie Williams verpflichten"
Vor dem wegweisendem Derby gegen die HSG Baunatal haben wir mit unserem Kapitän Phlip Julius gesprochen.
FC : Das Derby gegen Baunatal steht bevor. Derbys haben immer ihren eigenen Reiz. Hat das Derby aufgrund der Affäre Trogisch nochmal einen besonderen Kick? Wirst du dich mit Kevin vor dem Spiel aussprechen oder ist das Thema abgehakt?
P.J. : Der Reiz ergibt sich für mich eher aus der Nähe im geographischen und im tabellarischen Sinn. Persönliche Beziehung in jedweder Art und Weise spielen eigentlich keine Rolle. Was Kevin angeht halte ich wenig davon nachzutreten oder ähnliches. Er hat eine Entscheidung getroffen die für uns bitter ist. Ich bin aber der festen Überzeugung, dass es zu aller erst um die Vereine geht und diese im Mittelpunkt stehen sollten und nicht um einzelne Personen.
FC : Vor der Saison hast du dich auf die Serie gefreut. Das Team sei endlich eine Mannschaft, die mit alten Gensunger Tugenden zurück zum Erfolg finden will. Wie sieht dein Fazit nach etwas über der Hälfte der Serie aus?
P.J. : Ernüchternd. Uns ist es leider bisher nicht gelungen unser volles Potential Woche für Woche abzurufen. Einzelne Spiele waren herausragend, dies gilt es sich als Vorbild zu nehmen und daran anzuknüpfen. Die alten Gensunger Tugenden sehe ich allerdings trotzdem in unserer Truppe. Was fehlt ist der Erfolg.
FC : Welche Ziele verfolgst du noch für diese Saison und was hat sich die Mannschaft noch vorgenommen?
P.J : Meine persönlichen Ziele spielen keine Rolle. Es geht darum, dass wir uns so schnell es geht und so weit es geht von den Abstiegsrängen entfernen.
FC : Wie zufrieden bist du mit deiner Leistung in dieser Saison und welche Auswirkungen hat es auf dich, dass mit Benni Hütt ein weiterer Spieler auf der Position vorhanden ist und sich außerdem in Bestform präsentiert?
P.J. : Im Rahmen meiner Aufgaben die ich habe bin ich mit meiner persönlichen Leistung sehr zufrieden. Das hilft uns allerdings überhaupt nicht wenn wir trotzdem verlieren. Die Spielphilosophie die Reiner Wagner verfolgt ist auf einen Spielertyp wie Benni zugeschnitten und dementsprechend freue ich mich riesig über seine Entwicklung. Ich freue mich prinzipiell über alles was gut für Benni ist.
FC : Der Abstieg war, gerade wie er zustande gekommen ist, eine große Enttäuschung für den Verein und das Umfeld. Jeder hatte die Hoffnung auf den sofortigen Wiederaufstieg, warum spielen wir nicht um den Aufstieg mit bzw. stehen weit ab von der Tabellenführung?
P.J. : Weil die Entwicklung die notwendig gewesen wäre um vorne zu stehen nicht in dem Maße zustande gekommen ist wie wir es uns erhofft haben. Es war klar, dass jeder Spieler sein Potential ausschöpfen muss und sich dazu nochmal steigern muss. Leider hat sich dieser Fortschritt nicht eingestellt.
FC : Siehst du in absehbarer Zukunft die Möglichkeit dass man im Edertal wieder Bundesligahandball geboten bekommt?
P.J. : Ich glaube das ist gar nicht die aller erste Maßgabe. Ich finde es wichtiger eine Gensunger Mannschaft zu haben, eine Generation von Spielertypen, mit denen sich die Zuschauer und das gesamte Umfeld identifizieren. Keiner unserer Fans kommt ja in die Halle und sagt „mir ist alles egal, Hauptsache die Jungs gewinnen“. Gewinnen hilft natürlich, aber es kommt vielmehr darauf an ein klares Konzept zu vertreten und mittel- bis langfristig zu planen um im Rahmen unserer Möglichkeiten den besten Handball zu spielen.
FC : Du bist jetzt schon einige Jahre dabei und hast einiges miterlebt. In den letzten 2 Jahren gab es ein unglaubliches Verletzungspech. Zur Zeit hat es mit Pregler und Hütt wieder zwei Stammspieler erwischt. Ist das Pech oder oder könnte es auch den Trainingsmethoden liegen dass in den letzten 3 Jahren so viele Verletzungen auftraten?
P.J. : Das ist eine Gratwanderung. Wir befinden uns auf einem Niveau das zum einen großen Trainingsaufwand und hohe sportliche Belastungen darstellt. Zum anderen sind wir keine Profis und können dementsprechend nicht den Vormittag damit verbringen athletisch zu trainieren und unseren Körper zu pflegen. Wenn dir allerdings jemand ins Knie fällt hilft das auch dem besten Profi nicht.
FC : Viele kennen dich nur vom Spielfeld. Beschreibe doch mal den ganz privaten Philip Julius!
P.J. : Der wirklich private Philip Julius ist relativ selten anzutreffen. Häufig bin ich, neben den Aufgaben als Spieler und Kapitän, in Sachen JSG Dreiburgenstadt, oder auf Grund meiner Aufgaben an der Universität Kassel in diesem Bereich unterwegs. Dazu bin ich gerade in den letzten Zügen meines Studiums und dementsprechend muss ich viel lernen. Wenn ich tatsächlich frei habe bin ich dann entweder mit meiner Freundin oder mit Freunden zusammen. Relativ unspektakulär alles, aber ich bin sehr glücklich.
FC : Wir haben Februar und viele Vereine stecken mitten in den Planungen für die nächste Saison. Sehen wir dich weiterhin im ESG Trikot und wo siehst du dich in den nächsten Jahren?
P.J. : Auch das spielt erst einmal keine Rolle. Mir ist wichtig, dass sich die ESG perspektivisch ausrichtet. Dabei darf man sich selbst nicht so wichtig nehmen. Was die nächsten Jahre angeht so sehe ich mich definitiv weiter hauptsächlich ein den beiden Bereichen aus Sportinstitut Uni Kassel und Handball in Nordhessen. In welcher Funktion werden wir sehen.
FC : Beschreibe uns doch mal deine Aufgaben als Kapitän. Sind da viele Einzelgespräche dabei oder greifst du auch aktiv in die Trainingsgestaltung ein? Wie können wir uns das vorstellen?
P.J. : Das Kapitänsamt unterschiedet sich von Kapitän zu Kapitän. Ich bin niemand der großartig rumbrüllt und alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen will. Was die Spieler betrifft, so bevorzuge ich eine eher flache Hierarchie und Eigenverantwortung. Meine Aufgaben belaufen sich daher eher im Bereich der Einzelgespräche, der Vermittlung zwischen Mannschaft und Trainer und Verein und der Organisation. Mir ist wichtig, dass die Spieler ein Vertrauensverhältnis zu mir haben.
FC : Wenn du im Lotto gewinnen würdest und du einen Spieler für die ESG kaufen könntest, wer wäre dies und warum?
P.J. : Ich würde keinen unserer Spieler ersetzen wollen. Insofern würde ich vermutlich Robbie Williams verpflichten und auf der Bank sitzen lassen. Durch ihn würden unsere Siegesgesänge und die Weihnachtsfeier eine ganz neue Qualität bekommen. Außerdem würde er vielleicht dazu noch den einen oder anderen Fan mehr in die Halle holen.
Die Redaktion bedankt sich bei Philip Julius für die ausführlichen Antworten und wünscht der Mannschaft für das anstehende Derby viel Erfolg!
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